Theaterhaus Gessnerallee

Geschichte

1858
Fertigstellung des Gebäudekomplexes als Militärreithalle und Stallungen in den Seitenflügeln.

1970
Auf Initiative des damaligen Chefs der Kulturpflege der Stadt Zürich, Christoph Vitali, erste Nutzung als improvisierte Spielstätte für ein Theatergastspiel: „Orlando Furioso" in der Inszenierung von Luca Ronconi / Teatro di Roma.
In loser Abfolge lädt das Zürcher Präsidialdepartement grosse internationale Gastspiele nach Zürich und präsentiert sie in der Reithalle (u.a. "Grand Magique Circus" von Jérôme Savary, „Peer Gynt" und „Sommergäste" in der Inszenierung von Peter Stein / Schaubühne am Halleschen Ufer, „Timon von Athen" von Peter Brook).

1989
Die Bemühungen engagierter Kreise rund um das Theaterspektakel, dem Publikumsverein, Theaterverbänden und dem Präsidialdepartement führen zur Gründung des Trägervereins „Theaterrat", der ein vierköpfiges Leitungsteam einsetzt. Gemeinsam geführt von Hildegard Kraus, Christoph Meury, Ruedi Schärer und Jürg Woodtli nimmt das Theaterhaus Gessnerallee mit Beginn der Spielzeit 1989 / 1990 den provisorischen Versuchsbetrieb auf. Das Konzept sieht vor, das Programm zu je einem Drittel mit Zürcher, Schweizer und internationalen Gruppen zu gestalten. Internationale Theatergrössen wie Jérôme Dechamp, die Wooster Group, Robert Lepage, Rosas oder das Théâtre de Complicité werden nach wie vor mit Hilfe des sogenannten Gastspielkredits des Präsidialdepartements präsentiert.

1993
Am 28. November stimmt das Zürcher Wahlvolk in einem Referendum für die Bewilligung eines Sanierungskredits und eines dauerhaften Betriebskredits für das Theaterhaus Gessnerallee und sichert so per Gesetz seine bauliche Adaptierung sowie die theaterbetriebliche Institutionalisierung.

1997
Der Theaterrat wählt mit Jean Grädel und Armin Kerber eine neue Leitung, die sich die Führungsaufgaben als Co-Leiter des Theaterhauses teilen. Man setzt vermehrt auf Koproduktionen mit Zürcher Gruppen und Künstlern (u.a. Mass & Fieber, 400 asa, OFF-OFF-Bühne, Barbara Weber), während grosse internationale Gastspiele selten werden (1996 streicht die Stadt im Zuge allgemeiner Sparmassnahmen den Theaterkredit für internationale Gastspiele.)

2004
Niels Ewerbeck löst als neuer Gesamtleiter des Theaterhauses seine Vorgänger ab. Der Tanz wird als gleichberechtigte Gattung aufgewertet und bekommt neben einer eigenen Dramaturgie-Planstelle auch im Spielplan und in der Proberaumdisposition ebenso viel Raum wie das Theater. Erneuerungen und Ergänzungen der Technik (Tribünensystem, Rigging, Ton, Licht) lassen die provisorische Teilung der Halle in zwei mittelgrosse Bühnenräume zu und ermöglichen auf diese Weise eine deutlich erhöhte Bespielfrequenz. Dadurch kann sowohl die Koproduktionstätigkeit mit Zürcher Gruppen und Künstlern intensiviert, als auch an das ursprüngliche Konzept angeknüpft werden, das Haus in einem ausgeglichen Verhältnis mit lokalen, nationalen und internationalen Compagnies zu bespielen.
Das Foyer wird neu unter dem Namen „Stall6" als täglich geöffnete Bar und integraler Bestandteil des Theaterbetriebs geführt. Regelmässige Club-, Konzert- und Partyveranstaltungen ergänzen nun das Theater- und Tanzprogramm.